Eine ausgewogene Ernährung, weiß jeder, ist Basis für Gesundheit.
Neben den Makronährstoffen wie Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten, benötigt unser Körper auch die sogenannten Vitalstoffe, die für unser Leben wichtig sind:
- Vitamine
- Mineralien
- Spurenelemente
- Ballaststoffe
- Sekundäre Pflanzenstoffe
- Omega-3-Fettsäuren
Woher stammen die Vitalstoffe?
Vitalstoffe stammen aus natürlichen, unveränderten Lebensmitteln, oder aber aus künstlichen Nahrungsergänzungsmitteln. Vorrangig sollten wir unseren Vitalstoffbedarf über die Ernährung decken. Unter Umständen muss jedoch supplementiert werden und dann heißt es gewählte Nahrungsergänzungen streng unter die Lupe zu nehmen.
Wann kann Vitalstoffmangel entstehen?
Einseitige Ernährung ist ein Risikofaktor, aber auch Medikamenteneinnahme und fortgeschrittenes Alter.
Besonders die bei chronischen Erkrankungen angewandten Medikamente wie Diuretika, Protonenpumpenblocker, Antidiabetika und v. w. können gravierende Auswirkungen auf unseren Vitalstoffhaushalt haben. Im Rahmen einer Medikamenten-Therapie muss daher immer auch eine adäquate Ernährungsberatung erfolgen, damit es nicht zu einem Mangel und weiteren Störungen kommt.
Ältere Menschen sind zudem besonders anfällig für einen Vitalstoffmangel. Zum einen sinkt mit dem Alter der Energiebedarf, weshalb sich die aufgenommene Nahrungsmenge vermindert und damit auch die Mikronährstoffmenge, zum anderen bestehen häufig Erkrankungen wie z. B. eine atrophische Gastritis, so dass Vitalstoffe weniger gut resorbiert werden können. Von der Qualität des Essens in Pflegeheimen möchte ich hier gar nicht reden.
Fakt ist jedoch, dass mit steigendem Lebensalter das Risiko für eine Mangelernährung deutlich ansteigt. Kognitive Einschränkungen, Neuropathien und andere Gebrechlichkeiten könnten durch eine adäquate Vitalstoffversorgung beeinflusst oder verhindert werden. In der Praxis werden diese Instrumente immer noch zu wenig genutzt.
Mikronährstoffversorgung in Deutschland
Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) betont immer wieder, dass es in den Industrienationen keinen Mangel gäbe. Experten urteilen hier ganz anders.
So auch die Nationale Verzehrstudie II der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel. Hier wurde das Essverhalten mehrerer tausend Bundesbürger untersucht. Tatsächlich wiesen große Teile der Bevölkerung einen eklatanten Mangel an verschiedensten Vitalstoffen auf. Selbst die, von der DGE empfohlenen Ernährungsvorgaben, wurden von vielen nicht annähernd erreicht, obwohl diese nach Ansicht vieler Orthomolekularmediziner viel zu niedrig angesetzt sind.
So fanden sich z. B. folgende Ergebnisse:
mehr als 75 % der Bevölkerung sind mit Vitamin D mangelversorgt (andere Quellen sprechen sogar von 90 %)
über 75 % sind mit Folsäure unterversorgt
Vitaminmangel ist an nahezu allen chronischen Erkrankungen beteiligt
Auch heute wissen über 70 % der Bevölkerung nicht wirklich, wie eine gesunde Ernährung aussehen sollte. In eigenen Zahlen gibt die DGE sogar an, dass 86,9 Prozent der Deutschen zu wenig Gemüse verzehrt. Die DGE empfiehlt 400 g Gemüse täglich und auch diese Zahlen sind längst überholt. Dennoch wird seitens der DGE strikt daran festgehalten, dass eine Supplementierung überflüssig sei, anstatt gezielt aufzuklären, wie sinnvoll ergänzt werden könnte.
Zu viele Studien haben den Nutzen von Supplementierung inzwischen erbracht und dennoch werden sie ignoriert.
Wer ist häufig betroffen?
Eine Kontrolle würde sich für folgende Gruppen lohnen:
- Menschen, die Medikamente einnehmen müssen
- Menschen, die nicht täglich ihre Lebensmittel frisch zubereiten
- Menschen, die nur wenig Obst, Gemüse, vollwertige Lebensmittel und Ballaststoffe essen
- Menschen, die auf Kantinen-Essen oder Fast-Food-Restaurants angewiesen sind
- Kinder
- Schwangere und Stillende
- Menschen mit chronischem Stress
- Leistungssportler
- chronisch kranke Menschen
- Menschen mit schlechter Wundheilung und langsamer Regeneration
- Menschen, die an Fertilitätsstörungen leiden
Nahrungsergänzungen
Viele Nahrungsergänzungsmittel warten mit minderer Qualität auf. Teils sind Dosierungen zu gering, teils die gewählten Verbindungen suboptimal oder die Bioverfügbarkeit ist gering. Ein weiterer Kritikpunkt sind bedenkliche Zusatzstoffe, die es zu meiden gilt.
Vitalstoff-Werte selbst testen
Viele wichtige Blutwerte können inzwischen von zu Hause aus getestet werden. Hierfür muss man nicht mehr in Wartezimmern Zeit verbringen. Schaue einmal hier und erfahre, welche Tests Du bereits selbst durchführen kannst.
Bei der Interpretation der Ergebnisse lasse Dir evtl. helfen.
Quellen
- University of Warwick. „Maternal B12 deficiency may increase child’s risk of type-2 diabetes.“ ScienceDaily, 7 November 2016, (B12-Mangel bei der Mutter erhöht das Risiko des Kindes, an Typ-2-Diabetes zu erkranken)
- Cincinnati Children’s Hospital Medical Center. „Many with migraines have vitamin deficiencies, says study: Researchers uncertain whether supplementation would help prevent migraines.“ ScienceDaily, 10. Juni 2016, (Viele Menschen mit Migräne haben Vitaminmängel, so eine Studie: Forschers sind sich unsicher, ob Supplementierung dabei helfen kann, Migräne vorzubeugen)
- Cayir A et al., Effect ofvitamin Dtherapy in addition to amitriptyline onmigraineattacks in pediatric patients. April 2014, Braz J Med Biol Res, (Wirkung von Vitamin-D-Therapie zusätzlich zu Amitriptylin auf Migräneanfälle bei Kindern)
- Silberstein Stephen D et al., Preventive Migraine Treatment, Continuum, August 2015, (Präventive Migränetherapie)
- Gaul C et al., Improvement of migraine symptoms with a proprietary supplement containing riboflavin, magnesium and Q10: a randomized, placebo-controlled, double-blind, multicenter trial, J Headache Pain, 2015, (Verbesserung von Migränesymptome mit einem Nahrungsergänzungsmittel aus Riboflavin, Magnesium und Q10: eine randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde multizentrische Studie)
- Prof. Emily C. Somers et al., Mercury Exposure and Antinuclear Antibodies among Females of Reproductive Age in the United States: NHANES., Environmental Health Perspectives, Februar 2015, (Quecksilberbelastung und antinukleare Antikörper bei Frauen im gebärfähigen Alter in den USA: NHANES)
- Prof. Dirk Elewaut et al., „Commensal microbiota influence systemic autoimmune responses., EMBO Journal, Januar 2015, („Kommensale Mikrobiotika beeinflussen systemische Autoimmunreaktionen)
- Janet G. M. Markle et al., „Sex Differences in the Gut Microbiome Drive Hormone-Dependent Regulation of Autoimmunity.” Science, Januar 2013, („Geschlechtsunterschiede im Darmmikrobiom treiben hormonabhängige Regulation von Autoimmunität an)
Quellen zur Grafik „Drei Wege zum Mangel“:
- ter Borg S, Verlaan S, Hemsworth J et al., Micronutrient intakes and potential inadequacies of community-dwelling older adults: a systematic review, British Journal of Nutrition 2015;113(8):1195–1206 — knappe Zufuhr im Alter bei Vitamin D, B1, B2, Calcium, Magnesium und Selen
- Sanford AM, Anorexia of aging and its role for frailty, Current Opinion in Clinical Nutrition and Metabolic Care 2017;20(1):54–60 — nachlassender Appetit bei bis zu 30 % der älteren Menschen
- Andrès E, Loukili NH, Noel E et al., Vitamin B12 (cobalamin) deficiency in elderly patients, CMAJ 2004;171(3):251–259 — atrophische Gastritis und gestörte Freisetzung von B12 aus der Nahrung
- Hershko C, Ronson A, Souroujon M et al., Variable hematologic presentation of autoimmune gastritis: age-related progression from iron deficiency to cobalamin depletion, Blood 2006;107(4):1673–1679 — Eisen- und B12-Mangel bei Gastritis
- Lam JR, Schneider JL, Zhao W et al., Proton pump inhibitor and histamine 2 receptor antagonist use and vitamin B12 deficiency, JAMA 2013;310(22):2435–2442 — Säureblocker und B12-Mangel
- Srinutta T, Chewcharat A, Takkavatakarn K et al., Proton pump inhibitors and hypomagnesemia: A meta-analysis of observational studies, Medicine (Baltimore) 2019;98(44):e17788 — Säureblocker und Magnesiummangel, stärker bei hoher Dosis
- Kieboom BC, Kiefte-de Jong JC, Eijgelsheim M et al., Proton pump inhibitors and hypomagnesemia in the general population: a population-based cohort study, American Journal of Kidney Diseases 2015;66(5):775–782 — höheres Risiko bei langer Einnahme und zusammen mit Schleifendiuretika
- Aroda VR, Edelstein SL, Goldberg RB et al., Long-term Metformin Use and Vitamin B12 Deficiency in the Diabetes Prevention Program Outcomes Study, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2016;101(4):1754–1761 — Risiko steigt mit jedem Jahr Metformin
- Bauman WA, Shaw S, Jayatilleke E et al., Increased intake of calcium reverses vitamin B12 malabsorption induced by metformin, Diabetes Care 2000;23(9):1227–1231 — gestörte Aufnahme am Ende des Dünndarms
- U.S. National Library of Medicine, DailyMed, Cholestyramine powder, for suspension, Fachinformation — Colestyramin stört die Aufnahme der Vitamine A, D, E und K, berichtet sind Mängel an Vitamin A, D und K
- Tonstad S, Knudtzon J, Sivertsen M et al., Efficacy and safety of cholestyramine therapy in peripubertal and prepubertal children with familial hypercholesterolemia, Journal of Pediatrics 1996;129(1):42–49 — Vitamin-D-Spiegel sank unter Colestyramin
- Vroonhof K, van Rijn HJ, van Hattum J, Vitamin K deficiency and bleeding after long-term use of cholestyramine, Netherlands Journal of Medicine 2003;61(1):19–21 — Vitamin-K-Mangel und Blutung nach langer Einnahme
- Sahebkar A, Reiner Z, Simental-Mendia LE et al., Impact of Statin Therapy on Plasma Vitamin D Levels: A Systematic Review and Meta-Analysis, Current Pharmaceutical Design 2017;23(6):861–869 — kein signifikanter Effekt von Statinen auf den Vitamin-D-Spiegel
- Mazidi M, Rezaie P, Vatanparast H, Kengne AP, Effect of statins on serum vitamin D concentrations: a systematic review and meta-analysis, European Journal of Clinical Investigation 2017;47(1):93–101 — uneinheitlich: in randomisierten Studien leichter Anstieg, in Beobachtungsstudien leichter Abfall
- de Baaij JH, Hoenderop JG, Bindels RJ, Magnesium in man: implications for health and disease, Physiological Reviews 2015;95(1):1–46 — Magnesiummangel durch Diuretika und Säureblocker
- Tamargo J, Segura J, Ruilope LM, Diuretics in the treatment of hypertension. Part 2: loop diuretics and potassium-sparing agents, Expert Opinion on Pharmacotherapy 2014;15(5):605–621 — Kalium- und Magnesiumverluste unter Thiazid- und Schleifendiuretika
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for folate, EFSA Journal 2014;12(11):3893 — 330 µg für Erwachsene, 600 µg in der Schwangerschaft
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies, Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iodine, EFSA Journal 2014;12(5):3660 — 150 µg für Erwachsene, 200 µg in Schwangerschaft und Stillzeit
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Frage 1 von 3
Welche Stoffe zählen laut Beitrag zu den Vitalstoffen?
Neben Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen nennt der Beitrag Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Omega-3-Fettsäuren.
Wie viel Prozent der Bevölkerung sind laut Nationaler Verzehrstudie II mit Vitamin D mangelversorgt?
Mehr als 75 Prozent, andere Quellen sprechen sogar von 90 Prozent. Auch bei Folsäure sind über 75 Prozent unterversorgt.
Welche Faktoren begünstigen laut Beitrag einen Vitalstoffmangel?
Genau diese drei Wege beschreibt der Beitrag: zu wenig Zufuhr, gestörte Aufnahme durch Medikamente oder Gastritis und höherer Bedarf bzw. Verlust.
Hier lohnt ein zweiter Blick





