Der Wunsch auf Nachwuchs ist in uns Menschen verankert und die Zahl kinderloser Paare steigt.
Dank den Errungenschaften der Medizin, leben inzwischen Millionen Kinder auf dieser Welt, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind. Allein in Deutschland sind es über eine Viertelmillion Kinder. Lange galt, dass diese genauso gesund sein würden, wie normal gezeugte Kinder. Diese Gewissheit schwindet, schaut man sich erste Untersuchungen und Studien näher an.
Vom Eingriff des Menschen in die Natur
Unter normalen Bedingungen befruchtet nur eine von circa 500 Millionen Samenzellen das Ei. Der Rest wird von der Natur bereits aussortiert. Sprich: nur das „Top“-Spermium wird auserwählt. Ein natürliches Selektionsprogramm.
Nach der, im Eileiter stattfindenden Befruchtung, wandert die Blastozyste nun in die Gebärmutter. Bereits geringfügige Stoffwechel- und Hormonstörungen können die sehr empfindliche Blastozyste zerstören. So können Infektionen, Schilddrüsenstörungen oder Gelbkörperschwächen zum Absterben führen. Im Falle bestehender Eileiterverklebungen kann die Blastozyste auf ihrem Weg gestoppt werden und sich eine lebensgefährliche Eileiterschwangerschaft entwickeln.
Auch von den Blastozysten entwickeln sich letztendlich nur 20 bis 25 Prozent.
Mehr kranke Kinder durch IVF
Im Journal of the American College of Cardiology (Meister et al., 2018) wurde veröffentlicht, dass diese Kinder schon früh an Gefäßproblemen leiden. 2012 zeigte sich bereits in einer ersten Studie, dass die Gefäße von Petrischalen-Kindern vorzeitig altern (Circulation: Scherrer et al., 2012).
Die Gefäße zeigten, dass sie steifer waren und gewisse Schichten der Gefäßwand zudem dicker als bei der normalen Kontrollgruppe. Ebenfalls war der Blutdruck der Petrischalen-Kinder geringfügig erhöht. 8 von 52 Petrischalen-Kindern hatte bereits einen erhöhten Blutdruck, wohingegen in der Kontrollgruppe nur eins von 40 Kindern betroffen war. Ärzte und Ärztinnen der Harvard University kommentierten: „Sollte das Risiko für einen jugendlichen Bluthochdruck (…) wirklich sechsmal so hoch liegen, wären die Konsequenzen für die Lebensdauer gewaltig (…).
Auch scheinen die Risiken für Herzfehler oder Fehlbildungen der Gliedmaßen etwas höher zu sein (Clinial and Molecular Teratology: Källén et al., 2010 & American Society for Reproductive Medicine: Wen et al., 2012).
Es gibt also Unterschiede zwischen im Eileiter und im Labor entstandenen Kindern.
Immer mehr Kinder entstehen durch künstliche Befruchtung
Nicht lange her, feierte Louise Brown ihren 40. Geburtstag. Sie war der erste Mensch, der durch künstliche Befruchtung entstand. Robert Edwards, der Erfinder der Petrischalen-Methode erhielt 2010 den Nobelpreis für Medizin.
Die Zahlen an künstlichen Befruchtungen steigen gewaltig. Bislang galt die Methode nur für die Mutter risikobehaftet, da diese mitunter eine Hormonbehandlung benötigt. Inzwischen müssen wir jedoch auch Risiken für die Kinder erwähnen und uns fragen, warum eine stetig wachsende Gruppe von Eltern unfruchtbar ist.
Warum sind Paare unfruchtbar?
Wir unterscheiden eine primäre (angeborene) Unfruchtbarkeit von einer erworbenen.
Neben Geschlechtskrankheiten, wie einer Infektion mit Chlamydien, zählen hormonelle Störungen und Stoffwechsel-Erkrankungen eine wichtige Rolle. Stress, ein ungesunder Lebensstil, Übergewicht und Co stellen sämtlich Risikofaktoren dar.
Die Schwangerschaft ist eine große Belastung für den Körper der Frau
Hier greift die Natur relativ früh „schützend“ ein. Ist der Körper der Mutter zu geschwächt oder belastet, lässt sie eine Schwangerschaft nicht zu, bzw. es kommt früh zu einem Verlust der Frucht.
Ähnlich beim Mann: sind Spermienanzahl und / oder -qualität vermindert, wird auch hier die Fruchtbarkeit eingeschränkt.
Nun sollten wir uns fragen, was die belastenden Faktoren sind und diese nach Möglichkeit eliminieren, um eine gesunde Schwangerschaft zu ermöglichen.
Epigentische Einflüsse
Anders als die Genetik, die sich mit den langen DNA-Ketten beschäftigt, dreht sich bei der Epigenetik alles um die Einflüsse „rund herum“: Wie ist das Erbgut verpackt und an welchen Stellen haben sich kleine Kohlenstoffgruppen an die Bausteine der DNA angeheftet. Diese Details bestimmen nämlich, welche Gene aktiviert werden und welche schlafen.
Studien konnten zeigen, dass Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entsanden sind, häufig ganz bestimmte epigenetische Veränderungen aufweisen (Human Reproduction Update: Lazaraviciute et al., 2014). Eben genau solche, die von Wissenschaftlern auch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang gesetzt werden könnten.
Schauen wir uns nun die Kulturmedien an, in denen die Eizelle bei der künstlichen Befruchtung schwimmt, so finden wir hier verschiedenste, zum Teil hormonell wirksame Substanzen.
Michael Wolff, Professor am Inselspital Bern und Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: „Es ist relativ sicher, dass Kulturmedien einen Effekt haben.“
Erschwerend kommt hinzu, dass oft die Hersteller, also kommerzielle Firmen, genau wissen, was für Stoffe in Kulturmedien enthalten sind.
Unterstützt wird diese Epigenetik-Hypothese letztendlich auch durch Syndrome, welche durch genetische Prägung verursacht werden. Epigenetische Veränderungen stellen die Genvariante eines Elternteils komplett ruhig. Ein Beispiel ist das Beckwith-Wiedemann-Syndrom. Bei dieser Erkrankung weisen die Kinder hohe Mengen an einem bestimmten Wachstumsfaktor im Blut auf. Die Kinder entwickeln sich zu schnell, haben häufig Herzprobleme, eine auffällig große Zunge und bekommen häufiger bestimmte Krebstumore.
Das Risiko für dieses Syndrom ist bei IVF-Kindern fünfmal höher als bei anderen (Fertility and Sterility: Vermeiden und Bernardus, 2013). Konkret ausgesprochen: eines von 3.000 Kindern nach künstlicher Befruchtung ist betroffen.
Künstliche Befruchtung und Komplikationen
Für die Mutter ist das Risiko in der Schwangerschaft für einen Diabetes und Bluthochdruck erhöht.
Außerdem hat sich gezeigt, dass die Kinder deutlich früher zur Welt kommen.
Direkter Einfluss durch die Eltern
Eltern, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, werden immer älter. Damit nimmt die Qualität der Ei- und Spermienzellen ab und das Risiko für Behinderungen steigt. Eine nicht gut verlaufende Schwangerschaft birgt aber noch weitere Risiken. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind im Laufe seines Lebens weitere Probleme entwickelt – wie ADHS oder Krebs – steigt ebenfalls (American Journal of Perinatology: Nassar & Usta, 2009).
Das größte Risiko auf die Gesundheit ihrer Kinder haben vor allem also ältere Menschen, deren Grunderkrankungen es ihnen unter normalen Bedingungen kaum erlauben würde, eine Schwangerschaft auszutragen.
Weitere Quellen:
- American Journal of Perinatology: Nassar & Usta, 2009
- Fertility and Sterility: Qin et al., 2016
- Fertility and Sterility: Vermeiden & Bernardus, 2013
- Human Reproduction Update: Lazaraviciute et al., 2014
- Journal of the American College of Cardiology: Weinrauch et al., 2018
- Human Reproduction: Zandstra et al., 2018
- Journal of Clinical Investigation: Rexhaj et al., 2013
- Endocrinology: Cerny et al., 2018 & Diabetes: Chen et al., 2014
- Journal of Assisted Reproduction and Genetics: Rimm et al., 2011
- Clinical and Molecular Teratology: Källén et al., 2010
- American Society for Reproductive Medicine: Wen et al., 2012
- Circulation: Scherrer et al., 2012
- Journal of the American College of Cardiology: Meister et al., 2018


