Gelbe Blüten des Echten Johanniskrauts mit langen Staubblättern
Heilpflanzen-Lexikon

Johanniskraut

Hypericum perforatum L.

Johanniskraut ist eine Pflanze aus der Familie der Johanniskrautgewächse. Arzneilich genutzt wird das blühende Kraut: zum Einnehmen vor allem als Extrakt oder Tee, auf der Haut als öliger Auszug, Tinktur oder Aufguss.

Pflanzenfamilie
Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)
Anwendung
Zum EinnehmenAuf der Haut

Foto (Ausschnitt): JackyM59,CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Anwendungsgebiete

Wofür die Pflanze laut EU-Monographie angewendet wird

  • Stimmung

    Zur Behandlung leichter bis mittelschwerer depressiver Episoden

    • Zum EinnehmenBestimmte Trockenextrakte in fester Arzneiform, etwa Tabletten oder Kapseln
  • Stimmung

    Zur Kurzzeitbehandlung von Beschwerden bei leichten depressiven Störungen

    • Zum EinnehmenBestimmter Trockenextrakt in fester Arzneiform
  • Nerven & Schlaf

    Zur Linderung vorübergehender geistiger Erschöpfung

    • Zum EinnehmenTee, Pulver, Tinktur, Trocken- und Flüssigextrakt, öliger Auszug, Presssaft aus frischem Kraut
  • Haut

    Zur Behandlung leichter Hautentzündungen wie Sonnenbrand und zur Unterstützung der Heilung kleiner Wunden

    • Auf der HautÖliger Auszug, Tinktur, Flüssigextrakt, Aufguss für Waschungen und Umschläge
  • Magen & Darm

    Zur Linderung leichter Magen-Darm-Beschwerden

    • Zum EinnehmenTee, stabilisierter Presssaft aus frischem Kraut
  • Nerven & Schlaf

    Zur unterstützenden Behandlung nervöser Unruhe mit Einschlafstörungen

    • Zum EinnehmenTee

Wichtige Inhaltsstoffe

Laut Bewertungsbericht des HMPC

  • Phloroglucinderivate wie Hyperforin und Adhyperforin
  • Naphthodianthrone wie Hypericin und Pseudohypericin
  • Flavonoide wie Hyperosid, Rutin und Isoquercitrin, außerdem Biflavone wie Amentoflavon
  • Gerbstoffe (Procyanidine wie Procyanidin B2)
  • Ätherisches Öl mit 2-Methyloctan und α-Pinen
  • Phenolcarbonsäuren wie Chlorogensäure

Sicherheitshinweise

Vor der Anwendung wichtig zu wissen

Gegenanzeigen
  • Überempfindlichkeit gegen Johanniskraut.
  • Gleichzeitige Anwendung von Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ, etwa Phenprocoumon oder Warfarin.
  • Gleichzeitige innerliche Anwendung von Ciclosporin, Everolimus, Sirolimus oder Tacrolimus (Mittel, die zum Beispiel nach Organtransplantationen die Abstoßung verhindern).
  • Gleichzeitige Anwendung von HIV-Mitteln: Fosamprenavir, Indinavir und andere Proteasehemmer sowie nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer.
  • Gleichzeitige Anwendung von Irinotecan, Imatinib und anderen Krebsmitteln (Zytostatika), die über die Enzyme CYP3A4, CYP2B6, CYP2C9 oder CYP2C19 abgebaut oder vom Transportprotein P-Glykoprotein befördert werden.
  • Für Zubereitungen mit sehr geringem Hyperforingehalt ist laut Monographie die Überempfindlichkeit die einzige Gegenanzeige.
Warnhinweise
  • Während der Anwendung starke UV-Strahlung meiden, etwa intensive Sonne. Bei Anwendung auf der Haut gilt das für die behandelten Hautstellen.
  • Depressive Episoden: Bessern sich die Beschwerden nicht innerhalb von vier Wochen oder bestehen sie während der Einnahme fort, ärztlichen Rat einholen.
  • Leichte depressive Störungen: Die Anwendung ist auf sechs Wochen begrenzt.
  • Geistige Erschöpfung oder nervöse Unruhe: Bestehen die Beschwerden länger als zwei Wochen, ärztlichen Rat einholen.
  • Hautentzündungen, Wunden oder Magen-Darm-Beschwerden: Bestehen die Beschwerden länger als eine Woche, ärztlichen Rat einholen.
  • Bei Anzeichen einer Hautinfektion ärztlichen Rat einholen.
Wechselwirkungen
  • Wer verschreibungspflichtige Arzneimittel nimmt, sollte vor der Einnahme von Johanniskraut ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.
  • Johanniskraut steigert die Aktivität der Abbauenzyme CYP3A4, CYP2B6, CYP2C9 und CYP2C19 sowie des Transportproteins P-Glykoprotein. Andere Arzneimittel, die auf diesem Weg abgebaut oder befördert werden, können dadurch niedrigere Blutspiegel erreichen. Deshalb sind die unter den Gegenanzeigen genannten Kombinationen ausgeschlossen.
  • Besondere Vorsicht bei allen weiteren Arzneimitteln, die über diese Enzyme abgebaut werden, zum Beispiel Amitriptylin, Fexofenadin, Alprazolam, Diazepam, Midazolam, Methadon, Simvastatin, Digoxin und Finasterid.
  • Hormonelle Verhütungsmittel: Ihre Blutspiegel können sinken. Das kann Zwischenblutungen verursachen und die Verhütung unsicher machen. Zusätzlich eine andere Verhütungsmethode anwenden.
  • Vor geplanten Operationen mit Voll- oder Regionalanästhesie mögliche Wechselwirkungen mit den verwendeten Mitteln klären und Johanniskraut gegebenenfalls absetzen. Die Enzymaktivität normalisiert sich innerhalb einer Woche nach dem Absetzen.
  • Zusammen mit Antidepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (etwa Sertralin, Paroxetin), mit Buspiron oder anderen serotonerg wirkenden Stoffen kann Johanniskraut die Wirkung des Botenstoffs Serotonin verstärken. Sehr selten kommt es zu einem Serotoninsyndrom mit Schwitzen, Herzrasen, Durchfall, Fieber, Unruhe, Desorientiertheit, Zittern oder Muskelzuckungen.
  • Zubereitungen mit sehr geringem Hyperforingehalt, die höchstens zwei Wochen eingenommen werden: Laut Monographie keine klinisch relevanten Wechselwirkungen über die genannten Enzyme bekannt. Diese Aussage gilt nicht für Arzneimittel, die über andere Abbauenzyme abgebaut werden.
  • Anwendung auf der Haut: Laut Monographie keine bekannt.
Mögliche Nebenwirkungen
  • Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall, allergische Hautreaktionen, Müdigkeit und Unruhe. Die Häufigkeit ist nicht bekannt.
  • Bei heller Haut unter starker Sonneneinstrahlung: Missempfindungen wie Kribbeln, Kälte- oder Schmerzempfindlichkeit und Brennen sowie verstärkte sonnenbrandähnliche Reaktionen.
  • Anwendung auf der Haut: Hautreaktionen. Die Häufigkeit ist nicht bekannt.
Schwangerschaft und Stillzeit

In Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen, weil eine Schädigung der Fortpflanzung nicht ausgeschlossen ist.

Kinder und Jugendliche

Zum Einnehmen wird Johanniskraut unter 18 Jahren nicht empfohlen. Auf der Haut ist die Anwendung ab 12 Jahren vorgesehen, bei jüngeren Kindern wird sie nicht empfohlen.

Quellen

Stand der Recherche: Ärztlich geprüft:

Zurück zum Lexikon

Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte/Therapeuten.
Die Inhalte von veravonpetzinger.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen. Dosierungen nennt das Lexikon bewusst nicht: Sie hängen vom Präparat ab und stehen in dessen Packungsbeilage.