VERA VON PETZINGER

HOLISTISCHE
MEDIZIN

Wofür benötigen wir Vitamin C?

Vitamin C ist an zahlreichen Prozessen im Organismus beteiligt und ein starkes Antioxidans. Es ist z. B. essentiell für die Hydroxylierung von Lysin und Prolin zu Hydroxlysin und Hdroxyprolin, die wesentliche Bestandteile des Kollagens sind. 

Ein Mangel führt daher z. B. auch zu minderwertigem Knorpel und Bandscheibenvorfällen.  Schlechte Frakturheilung, sowie Wundheilung sind ebenfalls Folgen eines Vitamin C-Mangels und Blutungen durch erhöhte Fragilität der Kapillare. Der Bedarf an Vitamin C steigt bei Stress um das bis zu 10-fache, da sehr viel Vitamin C für die gesteigerte Noradrenalinsynthese erforderlich ist. 

Bei Mangel fühlen wir uns schlapp  und müde.  Dieses Symptom kennt jeder von uns, der schon einmal einen Infekt hatte und nicht optimal mit Vitamin C versorgt war:
Bei Vitamin C -Mangel wird  dieses zuerst für die Leukozytenfunktion (Abwehrzellen) benötigt und fehlt dann für die Noradrenalinsynthese: Wir sind abgeschlagen und uns fehlt jeglicher Antrieb.


Das Sehvermögen hängt ebenfalls mit Vitamin C zusammen.   Außerdem sind seine Funktion als Antioxidans und DNA-Schutz hinlänglichst bekannt.

Empfehlungen zur Dosierung

Hierüber streiten die Geister und sicherlich sind einige  Ratschläge durch merkantile Interessen verfälscht.

Säugetiere können in der Regel Vitamin C selbst produzieren.  Lediglich der Mensch, Menschenaffen und Meerschweinchen  können dies nicht mehr.
Es scheint logisch, dass wir den menschlichen Vitaminbedarf mit der Syntheserate des Tieres einmal vergleichen.  Säugetiere produzieren durchschnittlich 10.000 mg / Tag, bezogen auf ein menschliches Körpergewicht von 70 kg.    

Dies ist das Hundertfache der für uns Menschen empfohlenen  Tagesdosierung. Gesunden Menschen werden 100 mg Vitamin  C täglich empfohlen, für Neugeborene und Säuglinge 50 mg. Die Empfehlungen zur Fütterung von Labortieren , die kein Vitamin C synthetisieren können, sieht immerhin für ein Meerschweinchen 80-100 mg Vitamin C pro Tag und Tier vor. 

Umgerechnet auf einen 70 Kilogramm schweren Menschen entspräche dies 7.000 – 8.000  mg / Tag.

Für Menschenaffen lautet die Empfehlung 55 mg/kg KG und entspricht damit ca.  3.830 mg bei 70 kg KG.

Diese Zahlen stimmen bereits nachdenklich, es wird jedoch noch fragwürdiger, wenn wir uns nun folgende Tatsache vor Augen führen:  Die menschliche Plazenta (der Mutterkuchen) hat die Fähigkeit Vitamin C zu konzentrieren. So enhält das Nabelschnurblut deutlich höhere Konzentrationen an Vitamin C, als das der Mutter. Diese Konzentrationsleistung steigt sogar noch, wenn der mütterliche Vitamin-C-Spiegel sinkt.  Allein hieran können wir sehen, wie wichtig die Rolle des Vitamin C für unser Gesundheit zu sein scheint.

Vitamin C ist wasserlöslich und wird von daher nicht gespeichert.  Es ist davon auszugehen, dass gesunde Menschen ebenfalls ca. 4.000 mg /Tag an Vitamin C benötigen, Kranke zwischen  6.000 bis 18.000 mg /Tag.

Alle Krankheiten, an denen entzündliche Vorgänge beteiligst sind, lassen sich mit einer reichlichen zusätzlichen Einnahme von Vitamin C günstig beeinflussen oder vermeiden 

Krankheiten wie Akne, Allergien, Arteriosklerose, Arthritis, Autoimmunerkrankungen, Burnout, Diabetes mellitus, Fibromyalgie,Grauer Star, Grüner Star, Herzinfarkt, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinsuffizienz, Hypertonie (Bluthochdruck), Infektionen, Krebs, Rheuma, Sepsis und Wundheilungsstörungen könnten durch die Gabe von Vitamin C in höheren Dosen positiv beeinflusst werden.

Neuere Untersuchungen konnten ebenfalls aufzeigen, dass hohe Ascorbinkonzentrationen, wie sie bei  intravenöser Applikation erreichbar sind, selektiv Krebszellen durch die Erzeugung von Wasserstoffperoxid (H2O2) abtöten. In derartig hohen Dosierungen wirkt es erstaunlicherweise nicht antioxidativ, sondern selektiv oxidativ, wobei es nur Krebszellen angreift, gesunde Zellen jedoch verschont.

Bereits 1954 wurde in Kanada angiographisch beim Menschen verifiziert, dass sich arteriosklerotische Plaques in den Arterien mit einer täglichen Ascorbindosis von nur 1,5 g bei 60 % der Patienten innerhalb weniger Wochen zurückbildeten [1].  Auch im Meerschweinchenmodell wurde beobachtet, dass Ascorbin Arteriosklerose verhindert, wenn es physiologisch dosiert wird.

Ist Vitamin C gleich Ascorbinsäure?

Nein. Die Ascorbinsäure stellt nur einen Teil des natürlich vorkommenden Vitamin C´s dar – quasi nur die äußere Hülle. Natürliches Vitamin C enthält weitere Faktoren, wie z. B. Tyrosinase. 

Diese finden wir besonders in der Haut, wo sie an der Melaninbildung beteiligt ist. Bei der reinen Gabe von Ascorbinsäure muss der Körper zur Verstoffwechslung Tyrosinase aus der Haut abziehen, was folglich Risiken bergen kann. Wir müssen bei höheren Ascorbinsäure-Dosen also auch mit einem höheren Risiko für  Entartungen der Hautzellen rechnen, wenn nicht genügend Melanin zum Sonnenschutz synthetisiert werden kann. 

Nebenwirkungen von Vitamin C

Nimmt man große Mengen Vitamin C nüchtern ein, kann unresorbiertes Vitmamin C in den Enddarm gelangen und dort, ähnlich wie Zuckermoleküle, Wasser binden, was zu harmlosen Durchfällen führt.  Diese “Darm-Toleranz-Grenze” ist individuell sehr verschieden.

Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Vitamin C und Nierensteinen  ist weltweit bei keinem einzigen Fall bekannt. Allenfalls hoch dosierte intravenöse Gaben bei Dialysepatienten können Nierensteine verursachen; weltweit sind 2 Fälle beschrieben [2].

Bei Stuhluntersuchungen auf okkultes (verdecktes) Blut im Stuhl oder auf Glukose im Urin mittels Teststreifen ist zu beachten, dass Vitamin C ab etwa 15 g täglich die Peroxidasereation verhindern kann, dass also Blut im Stuhl bzw. Glukose im Urin ist, ohne dass es festgestellt werden kann. Sicherheitshalber sollte in diesem Fall auf immunologische Stuhltests zurückgegriffen werden statt auf Urinteststreifen,  die trotz hoher Konzentrationen verlässliche Ergebnisse liefern.

Quellen

ad [1]  Gale CR, Ashurst HE, Powers HJ, Martyn CN. Antioxidant vitamin status and carotid atherosclerosis in the elderly. Amer. J. of Clin. Nutr., 2001;74(3):402-8. Enstrom JE, Kanim LE, Klein MA. Vitamin C intake and mortality among a sample of the United States population. Epidemiology, 1992;3(3):194-202. Khaw KT, Bingham S, Welch A, Luben R, Wareham N, Oakes S, Day N. Relation between plasma ascorbic acid and mortality in men and women in EPIC-Norfolk prospective study: a prospective population study. Lancet, 2001;357(9257):657-63

ad [2]  Mc Allister CJ, Scowden EB, Dewberry FL, et al. Ranl failure secondary to massive infusion of viamin C. JAMA, 1984;252:1684. Wong K, Thomson C, Bailey RR, et al. Acute aoxalate nephropathy after a massive intravenous dose of vitamin c. Aust N Z J  Med, 1994;24:410-1

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